Ein offener Brief an alle, die Echtpelz tragen

Liebe Pelzträgerin, lieber Pelzträger... Du wirst diesen Brief nie lesen, es sei denn, du hast diese Zeitschrift abonniert weil du dich bereits als Tierfreund*in siehst. Vielleicht hast du selbst ein Haustier und trägst die Jacke mit Pelzbesatz nur, weil sie ein Geschenk war, oder weil du es schade fändest, sie zu entsorgen. Vielleicht konsumierst du auch selbst noch andere Produkte tierischen Ursprungs und verstehst nicht, warum Pelz da “schlimmer” sein sollte. Genau dann betrifft dich dieser Artikel.



Mein Name ist Nina, ich bin 34 Jahre alt und im Vorstand der Anti Fur League, mit der ich seit drei Jahren die “Demo für eine pelzfreie Schweiz” in Zürich organisiere. Auf das Thema Pelz wurde ich vor ca. 5 Jahren sensibilisiert, als die der Pelztrend sich bereits wieder etabliert hatte und begann, sich auch auf Schweizer Strassen zu zeigen. In meiner Kindheit und Jugend war Echtpelz ein No-Go; ein Symbol von Grausamkeit und Dekadenz, das nur die Superreichen trugen. Nicht grundlos: Nachdem eine internationale Anti-Pelz-Bewegung in den 80er/90er Jahren grossflächig über die Pelzindustrie und das Leiden der Tiere aufgeklärt hatte, war Pelztragen gesellschaftlich verurteilt. Wer nicht wie Cruella de Ville aussehen wollte und auch nur einen Funken Gewissen hatte, verzichtete auf das Qualprodukt. Somit war auch die Pelzindustrie quasi ausgestorben und die Sache von Tierschützerinnen als erledigt betrachtet. Wie konnte es also sein, dass ich jetzt plötzlich wieder überall Echtpelz sah?


Die Antwort ist ein kapitalistisches Märchen wie aus dem Bilderbuch: Durch jahrelange, milliardenschwere PR-Kampagnen hat es die Pelzindustrie geschafft, ihr Produkt wieder „salonfähig“ zu machen und die gesellschaftliche Akzeptanz neu zu etablieren. Essentiell dabei war die langsame, schrittweise Einführung von kleinen Bordüren und Accessoires, die kaum auffallen - jedoch jedes Jahr grösser werden - sowie das bewusste Irreführen* von Konsument*innen. Gerade in der Schweiz meinen wir aufgrund von vergleichsweise strengen Tierschutzgesetzen, dass wir gar kein Produkt aus tierquälerischer Produktion unterstützen können - und liegen dabei nirgends so falsch wie beim Echtpelz.


Tatsache ist, liebe PelzträgerInnen: Was sich geändert hat seit den 80/90er Jahren, ist nicht die Pelzproduktion - sondern unser Konsumverhalten und die öffentliche Moral. Der Grund, wieso Pelz heute wieder gesellschaftlich akzeptiert wird, ist nicht, dass die Tiere auf Pelzfarmen weniger leiden. Im Gegenteil: Durch die riesige Nachfrage nach Besätzen wird die industrielle Pelztierzucht heute im grossen Stil betrieben, v.a. in China, wo praktisch es keine Tierschutzgesetze gibt. Die Tiere dort (v.a. Marderhunde, die das Fell für die meisten Billigpelze liefern), verbringen ihr Leben in winzigen Gitterkäfigen, ohne je den natürlichen Bedürfnissen nachgehen zu können. Sie werden psychisch krank, verletzen sich selbst und andere. Zur „Erntezeit“ werden sie meist vergast oder durch einen Stromschlag in Maul und Anus getötet, um das Fell nicht zu beschädigen. Dies ist die empfohlene Tötungsmethode für Füchse in Europa, während in China die Tiere oft erschlagen und noch lebendig gehäutet, weil es schnell gehen muss. Kein Wunder also, dass Echtpelz heute meist günstiger ist als Kunstpelz – die Tiere zahlen den Preis.


Ich appelliere also an dich, wenn du Pelz trägst, wenn du Tierfreundin bist: Leg ihn ab, entsorge ihn ein für alle Mal - und motiviere alle in deinem Umfeld, es auch zu tun. Denn jedes Mal, wenn du in der Öffentlichkeit Pelz trägst – egal wie klein der Besatz ist, egal ob du die Jacke selbst gekauft hast oder nicht – machst du Werbung für eine Industrie, die auf Tierquälerei beruht und ohne diese nicht existieren kann. Jedes in die Schweiz importierte Pelzprodukt, erfüllt nach hiesigem Gesetz den Tatbestand der Tierquälerei - ob nun deklariert oder nicht.


*Weitere Infos über die Lügen der Pelzindustrie gibt's unter https://www.antifurleague.org/luegen (English: https://www.antifurleague.net/fur). Unterschreibe jetzt die Petition für ein Importverbot von tierquälerisch erzeugten Pelzprodukten: https://act.campax.org/pelz

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