Schmuck aus Echtpelz - Kunst oder Propaganda?

"Studentin macht aus totem Fuchs Schmuck", so lasen wir kürzlich im 20min. Gemäss eigenen Aussagen war sie bei der Jagd dabei und hat sich so kritisch mit dem "Fuchs als Rohstoff" auseinandergesetzt. Die Hochschule Luzern versteht unter kritischer Auseinandersetzung offensichtlich etwas anderes als wir.



«Mit der Entscheidung, einen erlegten Fuchs zu verarbeiten, war es unumgänglich konsequent zu sein und die Verantwortung mitzutragen. Erst durch diese Mitverantwortung wurde mir der Wert des Materials vollständig bewusst», sagt Gestalterin Yasmin Knüsel, und ihre Aussagen lesen sich wie Propaganda direkt von der Pelzlobby. Diese beruft sich, seit die Pelzindustrie wieder in Verruf geraten ist, mit Vorliebe auf die "Nachhaltigkeit" des Produkts Echtpelz - und in der Schweiz besonders gerne auf die einheimische Rotfuchsjagd und deren "Notwendigkeit".


Um die Anführungszeichen kommen wir angesichts der Perversität dieser Lügen nicht herum. Wie im Rest von Europe stammen 99% aller in der Schweiz getragenen Pelzbesätze stammen aus China, wo ein riesige Industrie den Weltmarkt beliefert. Pelztiere wie Füchse und Marderhunde werden im grossen Stil auf sogenannten "Pelzfarmen" gezüchtet, verbringen ihr Leben eingepfercht in winzigen Gitterkäfigen bevor sie vergast, durch Stromschläge getötet oder zu Tode geknüppelt werden. In der anschliessenden Verarbeitung von der Tierhäuten werden grosse Mengen an giftigen Chemikalien eingesetzt, die sowohl die Gesundheit der Arbeiter*innen gefährden als auch die Umwelt belasten, wenn sie ins Grundwasser entsorgt werden. Ganz abgesehen von der Ökobilanz all der Tierhäute, die zur Verarbeitung nach China geflogen werden - weil es gerade aufgrund des toxischen Prozess in Europa und Amerika quasi keine Gerbereien mehr gibt.

Dies ist das "natürliche" Produkt Echtpelz - und dies ist die Industrie, die wir mit dessen Zurschaustellung unterstützen. Jegliche Werbung für Pelz ist Werbung für eine Industrie, die ihren Profit auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt macht - egal aus welcher Produktion er stammt.

Dass es sich bei Frau Knüsels "Schmuck" um einen Schweizer Fuchs handelt, welcher auch in der Schweiz verarbeitet wurde, ändert nichts an dieser Tatsache. Erstens sehen wir - wie beim Pelzkragen - dem Produkt die "Hintergründe" seiner Produktion nicht an - wir sehen lediglich einen toten Fuchs, der "Kunst" oder zu Dekorationszwecken verarbeitet wurde. Zweitens ist gerade die Jagd in der Schweiz ein hoch kontroverses Thema, für das keine integre Künstler*in Werbung machen sollte, ohne es kritisch zu hinterfragen (siehe "Tierquälerei: Fuchsmassaker in der Schweiz").


"Ihre Arbeit thematisiere in erster Linie nicht die Jagd oder den Pelz an sich, für den Fuchs habe sie sich aufgrund der Auseinandersetzung mit Themen wie Überfluss, Verschwendung und Wertschätzung entschieden", wird Knüsel im 20min zitiert - und gerade das hat uns hellhörig macht. Wie ist es möglich, sich gerade im Zusammenhang mit der "Verschwendung", der Wegwerfgesellschaft, nicht mit den Schattenseiten des Kapitalismus auseinanderzusetzen? Nicht mit dem Leid, dass die profitorientierte Pelzindustrie verursacht - und nicht mit den Lügen, die deren Lobby verbreitet?


Von 20min wundert es uns ja nicht, dass sie sich in den Dienst der Pelzlobby stellen - gerade kürzlich wurde Ex- Bachelorette Mia Madisson auf der Titelseite im ganzen Pelzmantel portraitiert, ohne das diese Provokation auch nur in einem Nebensatz erwähnt wurde. Aber dass die Hochschule Luzern sich freiwillig in so ein schlechtes Licht rückt, in dem eine so respektlose "Kunst" produziert und das dann auch noch als "kritische Auseinandersetzung" bezeichnet, ist sehr, sehr fragwürdig.



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