Informationen zur Pelzindustrie

Die Wahrheit über Pelz (Film)

Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

Politische Situation in der Schweiz

// Videos und Links

"Produktionsmethoden" und was sie für Tiere bedeuten

​Auch wenn nur die wenigsten noch ganze Pelzmäntel tragen, boomt die Pelzindustrie aufgrund von kleinen Echtpelz-Accessoires wie Bordüren an Jacken und Schuhen oder Bommeln an Mützen. Weltweit sterben jährlich über hundert Millionen Tiere für die Pelzproduktion, darunter Nerze, Füchse, Kaninchen und Marderhunde aus der Zucht - aber auch wildlebende Tiere, wie z.B. Kojoten, welche direkt mit dem Haushund verwandt sind.


Würden Sie Hundefell tragen?

 

Kojoten - direkte Verwandte unserer Haushunde - werden in freier Wildbahn für ihren Pelz gejagt, der auch heute noch viele Canada-Goose-Jacken “schmückt”. Bei der Fallenjagd werden auch Schlingeisen- Fallen verwendet, die im gesamten EU-Raum verboten sind, weil die Tiere oft tagelang darin festhängen bevor sie gefunden und getötet werden. Bei dem Versuch, sich aus den Fallen zu befreien, versuchen sie oft, sich die eigenen Gliedmassen abzubeissen und erliegen dann qualvoll ihren Verletzungen.

 

Doch Kojoten sind sind die einzigen Hundeartigen (Canidae), die für die Pelzindustrie leiden: In China, dem weltweit grössten Pelzproduzenten, werden v.a. Marderhunde gezüchtet - sie liefern die Felle für die Billig-Pelze, die wir an Jackenkragen im Onlineshop finden. Die Zucht in sog. “Pelzfarmen” ermöglicht die Haltung von z.T. hunderttausenden von Tieren auf engstem Raum. Sie verbringen ihr Leben in winzigen Gitterkäfigen und ohne je ihren natürlichen Bedürfnisse nachgehen zu können. Zur “Erntezeit” werden sie aus den Käfigen gerissen mit Knüppeln erschlagen. Weil die Arbeitsbedingungen schlecht sind und es schnell gehen muss, werden sie dabei oft noch lebendig gehäutet.

Die Lügen der Pelzindustrie

 

Auch wenn die Lobbyorganisationen von Pelzhandel und Modebranche es zu verschleiern versuchen: Die “Ware Pelz” ist immer untrennbar mit der Ausbeutung und dem Töten von Tieren verbunden, egal ob das Tier in der Falle oder auf einer Pelzfarm leidet und stirbt. Nicht nur in China, sondern auch in Europa werden u.a. Nerze und Füchse auf engstem Raum eingesperrt. Stereotype Bewegungsabläufe, Apathie, Selbst- und Fremdverstümmelungen sind Zeichen der lebenslangen psychischen und physischen Gewalt, welche die Tiere auf den Pelzfarmen erleiden. Sobald ihnen im Spätherbst das Winterfell gewachsen ist, wird Nerzen das Genick gebrochen oder sie werden durch Kohlenmonoxid/-dioxid vergast, was einen qualvollen Erstickungstod bedeutet.

//Bei Füchsen wird wird der Tod in der Regel durch Stromstösse über Elektroden in Maul und After herbeigeführt; es ist die empfohlene Tötungsmethode in Europa.

 

Um diese Zustände zu vertuschen, verleihen sich Pelz-Produzenten selbst sog. “Fair Fur” Labels oder behaupten, dass Echtpelz nachhaltiger sei als Kunstpelz. Dass bei der Pelzproduktion und -verarbeitung in China jedes Jahr tonnenweise chemische Abfälle in die Umwelt entsorgt werden, erwähnen sie dabei nicht - genausowenig wie die Rückstände giftiger Chemikalien, die immer wieder auf Pelzbesätzen an Kleidung gefunden werden und so die Konsument:innen gefährden.

Die Wahrheit über Pelz

 

Schauen Sie nicht weg: Informieren Sie sich über die Hintergründe der Pelzproduktion, welche nicht nur Tieren sondern auch Mensch und Umwelt schadet. Einen guten Überblick bildet die NDR-Reportage “Die Wahrheit über Pelz”, welche in voller Länge auf Youtube verfügbar ist. Helfen Sie mit, den grausamen Trend zu beenden, indem sie keine Kleidung mit Echtpelz kaufen oder die Bordüren bei bereits gekaufter Kleidung entfernen. Machen sie ihr Umfeld darauf aufmerksam und beteiligen Sie sich an Protesten! 

 

Infomaterial sowie weitere Hintergründe zur Pelzproduktion gibt’s auf www-offensive-gegen-die-pelzindustrie.net.

 

Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

Nicht nur Tiere leiden in der Pelzproduktion; auch Arbeiter*innen und Konsument*innen setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. Die Verarbeitung von Pelzen ist ein nämlich hochgiftiger, chemischer Prozess - und Untersuchungen zeigen, dass Echtpelz-Besätze immer wieder Rückstände von giftigen Chemikalien enthalten (Formaldehyd, Chrom 6). Gerade in China, dem weltweit grössten Pelz-Produzenten, landet der chemische Abfall nach der Entsorgung nicht selten im Grundwasser und schadet so der Umwelt. [2] // Nicht zuletzt ist auch die Ökobilanz von Echtpelz fatal: Weil es in Europa kaum Gerbereien gibt werden die meisten Pelze zur Verarbeitung nach China geflogen.

 

Politische Situation in der Schweiz

Seit 2014 besteht in der Schweiz eine Pelzdeklarationsverordnung (PDV) mit dem erklärten Ziel, die Kundschaft zu sensibilisieren, Transparenz zu schaffen und den Import tierquälerisch erzeugter Produkte zu verhindern. Diese ist aber an allen Fronten gescheitert: Einerseits deklarieren weiterhin bis zu 70% der kontrollierten Geschäfte ihre Pelzprodukte falsch oder gar nicht [3], andererseits wurden Herkunft und Gewinnungsart durch schwammige Formulierungen auf der Etikette noch mehr verschleiert. Die PDV hat also, statt aufzuklären, für noch mehr Verwirrung bei der Kundschaft gesorgt und neue Schlupflöcher für die Produzenten geschaffen. Auch an den hohen Verkaufszahlen änderte sich nichts.

Aufgrund grosser Kritik aus Tierschutz-Kreisen und parlamentarischen Vorstössen wurde die PDV bereits mehrmals revidiert; zuletzt wurde die Bezeichnung “Herkunft unbekannt” eingeführt - was bei Produkten wie Fleisch oder Eiern undenkbar wäre. [4] Auch sagen Bezeichnungen wie “Einzel-/Gruppenhaltung” nichts über eine tiergerechte Haltung aus, da Einzelgänger oft in Gruppen gehalten und umgekehrt. 

Vor diesem Hintergrund fordert nun auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer ein komplettes «Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte». Die Motion 19.4425 wird von Campax mit der Kampagne «We Care - We Don’t Wear» unterstützt, welche mit einer Petition für das Anliegen bereits über 38’000 Unterschriften gesammelt hat.

 

// Mit einer überwaltigenden Mehrheit von 144 zu 31 Stimmen hat der Nationalrat Ende 2021 der Motion zugestimmt. Wir sind gespannt auf den Entscheid des Ständerats, voraussichtlich in der Frühlingssession 2022.

 

Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2014, als die Pelzdeklarationspflicht eingeführt wurde. Ausführlich über Pelz berichtet hat das SRF seither nur noch Anfang 2020 mit ihrer Reportage über Polarfüchse und Marderhunde in Finnland.