Der Krake, das Meer und die Tiefen des Bewusstseins

In unserer Sendung vom 13.2.2021 haben wir den Pädagogen und Tierrechtsaktivisten Robert Rauschmeier zum Thema Kraken interviewt. Der Beitrag kann auch auf Soundcloud nachgehört werden. Vielen Dank an Robert für den Text!

Der Krake – auch ein aussergewöhnliches Wesen auf Erden


Obwohl ich in meiner Kindheit jedes Jahr mit meinen Eltern und meiner Schwester ans Meer fuhr, hatte ich keinen besonderen Bezug zu diesem Ökosystem und seinen Meeresbewohnern. Ich schwamm und tauchte zwar, sah hin und wieder Fische und Quallen, auch einen Teil des Pflanzenreiches, aber es schien mir alles nicht wirklich was zu sagen – unbedeutend und damit irgendwie auch leblos. Das Lebhafte und Lebendige kam erst später. Dafür mussten einige Jahre durchs Land ziehen. Hinzu kam mein persönlicher fundamentaler Wandel hin zum Veganismus. Und plötzlich lernte ich die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Und wie es so ist – wenn man die Dinge beginnt anders zu betrachten – verändert sich auch die Welt. Sie wurde reicher, bunter, spannender – und: schützenswert.


Auch bei der filmischen und literarischen Begegnung mit Kraken vor einigen Monaten, konnte ich Bemerkenswertes an mir feststellen. Früher sah ich in diesen Geschöpfen nicht mehr als etwas mit acht Armen. Kein Witz: mehr nicht.


Mittlerweile bin ich eines Besseren belehrt worden. Kraken sind unglaublich empfindsame Lebewesen, die mit Intelligenz, emotionaler und sozialer Kompetenz in ihrer Umgebung aufwachsen und leben. Wenn man sich mit ihnen immer tiefer und mehr auseinandersetzt, erkennt man zunehmend, was sie alles können, wie sie ihre Schwierigkeiten bewältigen und wie kontaktfreudig sie anderen Spezies gegenüber sein können. Sie werden zu Individuen.


Ausserdem zeigen diese Wesen viele spezielle Eigenheiten. Und davon – so müssen wir davon ausgehen – haben wir noch lange nicht alles gesehen und alles verstanden, denn erst seit einigen Jahren werden Kraken besonders beobachtet und studiert, seitdem die Menschen bemerkt haben, dass sie zu viel mehr fähig sind, als wir gemeinhin über sie dachten.


Berührend finde ich die Aussagen all der Menschen, die anfingen sich persönlich mit den Kraken auseinanderzusetzen. Ausnahmslos alle berichten, dass sie nicht mehr fähig seien weiter Tintenfische auf ihren Esstellern landen zu lassen und sie aufzuessen, seitdem sie sich mit ihnen beschäftigten und Freundschaften schliessen konnten.


So verstehe ich es hier und jetzt: Der Krake steht hier für alle Wesen auf der Erde. Wir müssen sie mit anderen Augen anfangen zu betrachten. Den Schatz an Wissen und Verflechtungen mit ihren Lebensräumen als einen wichtigen Lehrmeister zu begreifen. Es hat etwas mit uns selber zu tun: über die Art, wie wir uns selber in der Welt sehen, wofür wir einstehen und wie wir uns selbst gegenüber und anderen auf der Welt verhalten. Betrachten wir Wesen wie die Kraken und lernen sie besser kennen, kann es uns nicht nur berühren, es verändert unser Leben und die Art und Weise wie wir auf diesem Planeten leben schlechthin.


Robert Rauschmeier 8604 Volketswil, 4. März 2021



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