Die Sache mit den Arschloch-Stickern

Kurz nachdem am 21. Oktober 2017 die erste grosse Anti-Pelz Demo in Zürich stattgefunden hat, veröffentlichte '20 Minuten Online' einen Bericht mit dem Titel "Wer Pelz trägt, bekam den «Arschloch»-Sticker". Und nicht nur in den Medien, auch in der Tierrechtsbewegung wurde die Verbreitung dieser Sticker kritisiert. Was steckt dahinter?



Nachdem die auffälligen gelben Sticker mit der Aufschrift "Ich bin ein Arschloch. Ich trage Pelz" im Herbst / Winter 2017 erstmals auf Zürich's Strassen aufgetaucht sind, hat die Anti Fur League (AFL) begonnen, deren Verbreitung auf Facebook zu dokumentieren. Die Fotos zeigten v.a. "verschönerte" Pelze an PelzträgerInnen.


Viele Pelz-GegnerInnen fühlten sich durch diese Fotos, die oft mit Geschichten von erfolgreichen Konfrontationen verbunden waren, bestätigt. Gerade in der Pelzsaison fühlt man sich als Tierrechtler*In unendlich hilflos, weil man noch viel mehr mit dem sinnlosen Tierleid konfrontiert wird als sonst. Zu sehen, dass man mit seiner Wut, seiner Frustration nicht alleine ist, ermutigt einen, weiterzumachen.


"Wir sind uns bewusst, dass wir uns mit dieser Strategie einer ernstzunehmenden Kritik aussetzen. Der Grund, wieso wir es trotzdem tun, ist: Wir finden es ganz einfach wichtig für die Psychohygiene, seiner Wut auch mal Ausdruck verleihen zu dürfen."

So gab es denn auch ein grosses, positives Echo in den Likes und Kommentaren - viele bedankten sich und wollten wissen, wo man die Sticker bestellen kann. Dies führte zu einem Aufschwung der Facebook-Page, was wiederum zur Folge hatte, dass mehr über das Thema Echtpelz diskutiert wurde. Genau dies hatten sich die OrganisatorInnen der Anti Fur League gewünscht, weshalb sie dann auch nicht von ihrer Strategie abgewichen sind und die Fotos weiter gepostet haben - trotz interner und externer Kritik.



Und nicht nur das Ventil für die Wut ist wichtig (für die Psychohygiene), auch die Tatsache, dass der Ausdruck der Wut auf die Ursachen hinweist. Was einen wütend macht, soll auch heftige Reaktionen hervorrufen, und Tierquälerei macht uns immer wütend. Wenn wir sehen, wie ein Hund auf der Strasse verprügelt wird, wollen wir keine Flyer verteilen - wir wollen eingreifen und dem armen Hund helfen. Wenn wir jedoch täglich auf der Strasse Duzenden von Menschen über den Weg laufen, die zu Tode gequälte Marderhunde um den Hals tragen, können wir das nicht.


Da ist unsere Wut nicht nur gerechtfertigt, sondern auch absolut angebracht.

Des Weiteren muss betont werden, dass das das Blossstellen von Pelzträger*Innen ("Fur Shaming") in den 80er und 90er-Jahren ein wichtiger Bestandteil der internationalen Anti-Pelz-Bewegung war - und diese hat sich bekanntermassen als sehr erfolgreich erwiesen. Kunstblut- und Leim-Attacken auf Pelzmäntel haben damals dazu beigetragen, dass sich niemand mehr traute, im Pelz auf die Strasse zu gehen. Wenn man damit riskiert, für seine Ignoranz blossgestellt zu werden - sich dafür schämen zu müssen - überlegt man es sich zweimal, bevor man eine Jacke mit Pelzbesatz kauft.


Nichtsdestotrotz nimmt die Anti Fur League die Kritik an der provokativen Haltung ernst und betont, dass die Aufklärung weiterhin an erster Stelle steht. Da es aber für das "Ventil" keinen Ersatz gibt - und Tierrechtler*Innen auch weiterhin wütend sein werden - wird die AFL in der kommenden Pelz-Saison einen neuen Anti-Pelz-Sticker promoten, der die Gemüter weniger erhitzt und trotzdem seine Funktion erfüllt.


Und bis dahin gibt es ja immer noch FurFoe.


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